
25.09.2009
Wir erreichen Heraklion um 16°°. Nach einiger Verzögerung und einer etwas holprigen Motorradübernahme verlassen wir die Stadt mit den gemieteten Maschinen um 17°°. Bestellt waren 2* Yamaha und 2* BMW. Übergeben hat man uns 2* Yamaha, 1* BMW und 1* Beta Alp 4.0 ohne Nummernschild. Die Motorräder sind nicht vollgetankt und mit Ausnahme meiner Yamaha alle in einem eher schlechten Zustand. Die eine mehr, die andere etwas weniger. Im Detail geprüft haben wir sie dort aber nicht. Gespräche mit dem Vermieter waren bis dahin auch fruchtlos.
Vor der Weiterfahrt ist nachtanken angesagt. Bis zum Hotel im Süden der Insel sind es gute 75 Kilometer. Der Himmel bewölkt sich. Es fängt an zu regnen. Wir machen erste Erfahrungen mit dem feuchten Nass in Verbindung mit dem Zustand der Straßen auf Kreta. Soll heißen: Der Belag wird extrem rutschig und fordert zur besonnenen Fahrweise.
Das Hotel ist nach gut zwei Stunden Fahrtzeit bei Anbruch der Dunkelheit erreicht. Erste Erkenntnisse: Die Autofahrt mit Licht scheint zusätzlichen Benzinverbrauch zur Folge zu haben. Also lässt man es am besten gleich ausgeschaltet. Wenn man andere ärgern möchte, dann lässt man alternativ das Fernlicht dauerhaft eingeschaltet.
Im Hotel spricht man Deutsch. Man hat uns erwartet. Alles ist vorbereitet. Es erfolgt der Einzug. Prima. Wir trinken unser erstes Bier. Der Raki ist ein „Begrüßungsgeschenk“ des Hausherrn Niko. Alles in Kombination zeigt seine Wirkung.
Der erste Tag war gut.
Alle schlafen tief und fest…
26.09.2009
Wir stehen früh auf, kommen aber erst spät weg weil wir ausgiebig frühstücken, Pläne schmieden und einfach nur mal über den weiteren Verlauf der kommenden Woche quatschen wollen. Bis alle Maschinen geprüft sind und alle Teilnehmer ihre Siebensachen gepackt haben ist es 10³°.
Der Rest des Tages bringt zusätzliche 110 Kilometer mehr auf den Tacho und die Erkenntnis, dass Endurofahren auf Kreta meistens schon hinter dem nächsten Ort beginnt und eines der Motorräder schon jetzt die Grätsche macht.
Offizielle Verbindungen zwischen zwei Ortschaften, Wirtschaftswege für die Landwirtschaft, oder einfach nur die Strasse zum Strand sind zu 100% offroadgeeignet. Wir beenden den Tag mit einem geschätzten Offroadanteil von guten 60%, was für den ersten Tag nicht schlecht ist.
Wir haben die Triptisschlucht und den gleichnamigen Strand besucht, haben dort pausiert und den obligatorischen „griechischen Salat" gegessen. Der Weg zur Schlucht und von dort wieder weg war einzigartig und toll zu fahren. Wir haben unter der Hitze genauso gelitten wie unter der Tatsache, dass die Sicherungen der Beta Alp 4.0 sich nach jedem Neustart der Maschine erneut in Luft auflösen. Wir haben den allgegenwärtigen Müll genauso zur Kenntnis genommen wie die Tatsache, dass die Autofahrer hier durchaus als sehr aufmerksam und zurückhaltend bezeichnet werden dürfen.
Wir haben die Stadt Mires kennengelernt und sind einhellig der Meinung das diese Stadt keinen gesonderten Besuch wert ist. Am Abend haben wir den Vermieter der Motorräder angerufen (RoadRunner) und ihm mitgeteilt das wir die ersten Probleme mit der Beta haben. Nach einigem bla, bla des Vermieters wurde uns für den nächsten Tag die neue - und vor allem auch von Deutschland aus bezahlte - Maschine zugesagt. Die abendlichen Gespräche drehen sich um die weitere Planung der nächsten Tage und um das weitere Vorgehen bezüglich der Qualität der Motorräder.
Wir essen zu Abend, trinken Bier und Raki und gehen zu Bett.
Der zweite Tag war gut. Alle schlafen tief und fest...
27.09.2009
Der dritte Tag war der Tag der Mängelliste. An Thomas' Maschine stellten wir ein defektes Lenkkopflager, so gut wie kein Reifenprofil und Ölaustritt an der Gabel fest. Oliver hatte reihenweise defekte Sicherungen und ein defektes Rücklicht zu beklagen. Frank hatte an seiner Yamaha Ölaustritt an der Gabel und auch zu wenig Reifenprofil. Eine detaillierte Mängelliste findet sich für alle interessierten Leser im Menüpunkt: Fazit Kreta!
Die Tour führte uns an diesem Tag an die Küste westlich unseres Standortes Matala:
Matala > Pirgos > Ag. Galini > Plakias.
Ab Plakias geht es dann nur noch Offroad weiter. Zuerst entlang der Bucht von Plakias, dann ins Landesinnere quer durch die Olivenhaine und andere Wirtschaftswege. Immer wieder müssen wir absteigen um die Schafgitter zu öffnen und hinter uns wieder zu schließen, denn Ordnung muss sein. Die Strecken waren anspruchsvoll zu fahren und haben richtig Spaß gemacht. Kurz vor Chora Sfakion hatten wir wieder feste Straßen unter den Reifen. Es ging weiter Richtung Norden auf einer Passstrasse bis in luftige und kühle 1.500 mtr. ü.n.N. Eine phantastische Strecke.
Was dann folgte war eine zeit- und nervenraubende Odyssee auf der Suche nach dem richtigen Heimweg. Mangels Hinweisschildern fiel die Orientierung schwer und kostete viel Zeit. Wir waren zwischendurch so weit im Norden angekommen, dass wir von den Bergen aus das Meer nahe der Stadt Rethymno sehen konnten! Irgendwann und irgendwie haben wir den richtigen Weg gefunden und sind dann entlang der Hauptsrasse durch Spili und Pirgos wieder in Matala angekommen. Es war heute angenehm zu fahren, da es nicht so heiß und dafür um so windiger war. Den Enduroanteil der gesamten Strecke würde ich auf 20% schätzen.
Wir essen zu Abend, trinken Bier und gehen zu Bett.
Der dritte Tag war gut. Alle schlafen tief und fest...
Es ist höllisch schwer, einen geeigneten Kartenmaßstab zu finden, der zumindest ansatzweise einen Überblick für den Nutzer ermöglicht. Je umfangreicher die Touren, umso kleiner wird die Karte. Ich hoffe jedoch für jeden eine kleine Hilfestellung bereithalten zu können. Die als PopUp gezeigte Karte war die beste die ich für die Darstellung unserer Touren gefunden habe. Die Detailtreue ist nicht optimal. Dennoch bietet sie einen guten Bezug zu den Fotos in meiner Reise FotoGalerie.
Die Karte steht in Originalgröße auch als Download zur Verfügung.
28.09.2009
Für heute hatten wir die Stadt Chania auf dem Programm. In jedem Reiseführer als ein Muss erwähnt, war es auch für uns Anlass genug die Insel in ihrer ganzen Nord- Süd Ausrichtung einmal zu durchqueren. Die Gesamtstrecke in eine Richtung beträgt ab Matala ca. 150 Kilometer. Die Anfahrt war komfortabel und den ersten Tag mal ohne Offroadanteil. Im Gegenteil! Die letzten 70 Kilometer vor Chania befindet sich doch tatsächlich eine gut ausgebaute und zweispurig zu befahrende Schnellstrasse.
Wir haben die Entfernung unterschätzt, denn wir müssen auf dem Weg in den Norden der Insel einige ausgedehnte Gebirgszüge überqueren. Die Qualität der Strassen und natürlich auch die Streckenführung kosten mehr Zeit als erwartet. Der Aufenthalt in Chania fällt deshalb etwas kürzer aus als geplant. Die historische Altstadt und das Hafenbecken sind in jedem Fall einen Besuch wert. Mir persönlich sind dort jedoch zu viele Menschen unterwegs. Aber das ist natürlich subjektiv. Vor jedem Restaurant stehen Animateure die uns weismachen wollen hier das Beste Essen der Stadt serviert zu bekommen... Viel Erfolg.
Um 20°° sind wir wieder im Hotel. Der Ölverlust an Thomas' Gabel hat sich zugespitzt und nun beide Rohre in Mitleidenschaft gezogen. Nicht nur das alle sicherheitsrelevanten Teile wie Vorderreifen und Bremssatttel voller Öl sind, das Zeug spritzt - bedingt durch den Fahrtwind - auch den Rest der Maschine und Thomas' Klamotten ein.
Wir essen zu Abend, trinken Bier und Raki und gehen zu Bett.
Der vierte Tag war gut. Alle schlafen tief und fest...
29.09.2009
Den heutigen Tag haben wir aufgrund einer Empfehlung unseres Hotels in Angriff genommen. Es soll wieder an die Südküste gehen. Der Offroadanteil soll laut Aussage des Hotels sehr hoch sein. Wir sind bereit für einen Test!
Um schnell unser Ziel zu erreichen fahren wir asphaltiert bis Agii Deka und dann schnurstracks in Richtung Süden bis Loukla. Von da an wird es bergig und später auch geschottert. Die Strecke gehört im Nachhinein zur Besten die wir insgesamt gefahren sind. Hohe Bergstrassen, phantastische Aussichten, anspruchsvolle Abfahrten und einsame Strände mit Cafés, die außer von uns anscheinend durch niemanden (jemals?) besucht werden.
Wir baden und trinken anschließend den starken kretischen Kaffee, der alle Lebensgeister in uns wach halten soll. Das ist auch gut so, denn die ersten Kilometer folgen wir wieder der anspruchsvollen Schotterstrecke bergauf. Oben angekommen stehen wir an einem Scheideweg. Links, rechts, oder doch lieber geradeaus...?
Es ist aber auch egal, denn so detailliert ist keine unserer Karten. Solange wir zur Linken das Meer sehen, ist zumindest die Richtung im Groben die Richtige! Die Strecke ist phantastisch. Wir folgen alten Schafwegen, legen eine Maschine geschmeidig auf die Seite und schieben Ollis Maschine mangels weiterer Sicherungen erneut mehrfach an. Das „tolle" an Ollis Elektroschaden ist die Tatsache, dass mittlerweile sogar die aus einem Schlüsselring gebastelte Ersatzsicherung beim Starten der Maschine vor unseren Augen verglüht. Und ich meine wirklich: verglüht!! Sie leuchtet rot auf, qualmt und kühlt pechschwarz wieder ab.
Es ist spät als wir wieder im Hotel ankommen. Unterwegs hätten wir ohne die wegweisende Hilfestellung der Einheimischen manches Mal alt ausgesehen. Doch alles wurde gut!
Der Schaden an Ollis Maschine ist so nicht mehr tragbar. Wir rufen „GS-Sportreisen" in Deutschland an und bitten um Hilfestellung. Man empfiehlt uns vorerst den Besuch einer örtlichen Werkstatt und sichert uns Unterstützung bei der weiteren Vorgehensweise zu.
Auch die verölte und leckende Maschine von Thomas soll noch getauscht werden...
Wir essen zu Abend, trinken Bier und gehen zu Bett.
Der fünfte Tag war gut. Alle schlafen tief und fest...
30.09.2009
Wir stehen früh auf. Der Tag ist vollgepackt mit tollen Erwartungen und einer Tour nach Knossos, dem antiken Ausgrabungsort nahe Heraklion. Mittlerweile können wir die Entfernung einschätzen. Wir halten uns nirgendwo lange auf. Es geht staight in Richtung Norden. Kurz vor Heraklion werden die Straßen zu „Autobahnen" und ermöglichen ein zackiges Vorankommen.
Knossos haut uns nicht von den Socken. Es ist schön anzuschauen, die Besucherzahlen halten sich in Grenzen und das Wetter ist perfekt. Also eigentlich alles in Ordnung. Doch unsere Erwartungshaltung war eine andere. Der Reiseführer und auch Publikationen im Internet sprechen von DER Attraktion auf Kreta, die es unbedingt anzuschauen gilt. Wir waren jedoch einhellig der Meinung das die Aussage nur individuell zu beurteilen ist.
Wir schauen uns alles intensiv, aber zügig an und verlassen den Ort wieder in Richtung Süden. Wir wollen Motorrad fahren... Unsere Motorradkleidung einschließlich der Helme durften wir beim Personal am Haupteingang in Verwahrung geben. Als wir diese Sachen wieder abgeholt haben und uns mit einem kleinen Trinkgeld dafür bedanken wollten, wurde diese Geste prompt abgelehnt. Das Entgegennehmen von solchen Leistungen ist nicht gewünscht. Das hat mich wirklich schwer beeindruckt!
Ein paar Orte weiter halten wir für eine ordentliche Mittagspause noch einmal an und platzieren uns in einer Bar am Straßenrand, um dem Geschehen des Ortes zu folgen.
Der Rückweg ist schnell gemacht. Es wird dunkel als wir gegen Abend wieder das Hotel erreichen. Thomas' Maschine ist tatsächlich getauscht. Der Ersatz in Form einer älteren blauen XT600 zeigt sich in einem akzeptablen Zustand und macht Hoffnung auf mehr. Sie springt zwar nicht besonders gut an, aber Thomas macht eine ausgiebige Probefahrt und befindet das Motorrad trotz der Startschwierigkeiten für ok. Zumindest besser als die BMW.
Wir essen zu Abend, trinken Bier und gehen zu Bett.
Der sechste Tag war gut. Alle schlafen tief und fest...
01.10.2009
Heute soll Ollis Maschine in die Werkstatt zur genaueren Überprüfung der Elektrik. Gemessen an der verbleibenden Urlaubszeit macht eine mögliche Reparatur natürlich wenig Sinn. Da wir morgen jedoch um 05°° mit den Maschinen noch zum Flughafen nach Heraklion zurückfahren müssen, erscheint eine reibungslos laufende Maschine erstrebenswert...
Wir fahren also früh morgens nach Mires und finden im Ort auch gleich eine Werkstatt die zumindest von außen den Anschein erweckt als könne sie sich des Problems annehmen. Der Schaden ist schnell erklärt, die Maschine ihrer Plastikteile entledigt.
Das Bild welches sich im „nackten" Zustand darbietet, übertrifft alles was man sich als Motorradfahrer zum Thema Elektrik vorstellen kann. Mehr dazu unter dem Menüpunkt: Fazit Kreta.
Der Mechaniker schaut sich alles an, lächelt und legt los. Ich vermeide es weitere Details zu schreiben, denn zu lange und zu konfus war der Aufenthalt in dieser Werkstatt.
Die Yamaha von Thomas steht noch bei einem Motorradhändler in der gleichen Straße und wird mit einer neuen Batterie ausgestattet die das Weiterfahren hoffentlich ermöglicht.
Zu guter Letzt und nach vielen Telefonaten mit unserem Anbieter in Deutschland haben wir Ollis Schrotthaufen auf der anderen Straßenseite abgestellt und sind zum Hotel zurück gefahren. Auch Thomas' Maschine lässt sich auch mit einer neuen Batterie leider nicht starten.
Das Telefonat hat auch geklärt wie wir am nächsten Morgen, dem Tag unserer Abreise, wieder zum Flughafen nach Heraklion kommen. Vier Personen mit Gepäck und zwei Motorräder sind für dieses Unterfangen um 05°° morgens nicht die erste Wahl. So dürfen wir uns also ein Taxi rufen, welches uns vom Hotel bis nach Heraklion fährt. Na, das ist doch mal was.
Es ist der letzte Tag. Ollis Maschine ist im wahrsten Sinne des Wortes verraucht und Thomas' Motorrad springt nur an wenn man sie anschiebt. Beides ist wenig erbaulich und sorgt dafür das beide den Rest des Tages am Wasser verbringen wollen / müssen, während Frank und meine Wenigkeit noch ein wenig offroad unterwegs sein wollen.
Es ist eine schöne Tour. Sie erschließt uns den Bereich nördlich von Matala. Es folgen die Orte Festo > Vori > Skourvoula und Galia. Wir haben ordentlich Schotter unter den Reifen, aber auch ausreichend Muße für eine Kaffeepause oder den einen oder anderen Fotostop. Auch landschaftlich hätten wir diese Abwechslung nicht erwartet.
02.10.2009
Es ist kurz vor 04°° als der Wecker uns aus den schönsten Träumen reißt. Glücklicherweise haben wir die Klamotten schon am Vorabend gepackt und müssen uns so früh am Morgen nur noch um uns selber kümmern. Es folgt das Duschen, ein oller Kaffe und eine Stulle auf die Hand. Fertig.
Dann ist es 05°° und der Taxifahrer steht vor dem Hotel. Passt! Vier Personen, der Fahrer und zugehöriges Gepäck sind auch für einen Mercedes mitunter eine Herausforderung... Wir erreichen pünktlich und sicher den Flughafen, haben Zeit für einen weiteren Kaffe und etwas Gebäck.
Es folgen noch ein paar Videosequenzen, Fotos und ein Resümee aller Teilnehmer. Der Flieger landet nach dreieinhalb Stunden Flugzeit pünktlich in Leipzig.
Das war's dann wohl Kreta 2009
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 29. Dezember 2011 um 15:21 Uhr



